Liebe Alina, ich möchte dir an dieser Stelle nochmals für deine tolle Unterstützung in der Vorbereitung danken! Was ich bei dir gelernt habe, sowie der Austausch mit den anderen Frauen haben einen großen Anteil daran gehabt, dass ich dieses Mal so ein schönes Geburtserlebnis hatte. 

Viele Grüße Henriette 

Das Warten hat ein Ende – vier Tage nach dem errechneten ET war es endlich soweit und unser Valentin machte sich auf dem Weg zu uns. Am Nachmittag des 5.9.2019 bereitete ich mir einen Wehentee zu ohne wirklich mit dessen Wirkung zu rechnen. Ich holte unseren ersten Sohn Jonathan vom Kindergarten ab, wir backten einen Kuchen für Papas Geburtstag am nächsten Tag und spielten viel. Irgendwann (vermutlich 17:00 Uhr) spürte ich dann erste sanfte Wellen, die bis in den Rücken zu spüren waren, anders als die Übungswehen, die bisher nur im Bauch zogen. Dachte aber noch nichts dabei.

Mein Mann Christopher und meine Mamma kamen um ca. 17:30 Uhr nach Hause und wir deckten den Tisch und aßen gemeinsam zu Abend. Ich spürte die Wellen nun regelmäßig. Nach dem Essen weihte ich Christopher ein: „vielleicht kommt Baby 2 doch bald, ich spüre Wehen, lass aber einfach noch etwas abwarten.“ Ab dann signalisierte ich meinem Mann immer, wenn ich eine Welle spürte. Das war ca alle vier bis fünf Minuten. Ich musste zu dem Zeitpunkt aber noch nix veratmen und wir saßen alle zusammen noch zu viert ein Weilchen im Wohnzimmer. Ich habe dabei unbewusst ganz viel mit Jonathan gekuschelt, als ob ich mich von ihm in seiner Rolle als einziges Kind verabschieden wollen würde.

Mit Christopher verabredete ich, dass wir Jonathan ganz normal ins Bett bringen, da ich mir immer noch unsicher war, ob das schon die „echten“ Wellen sind und mein Körper nicht noch weiter übt. Ich saß während des Zubettbringens mit meiner Mama auf der Couch und wir quatschen. Sie bemerkte nichts, ging dann irgendwann in ihr Zimmer, um zu telefonieren. Christopher hatte zwischenzeitlich Jonathan hingelegt und wir beschlossen Michelle (unsere Hebamme) per SMS vorzuwarnen (20:21 Uhr). Ich plante nun in die Badewanne zu steigen, um herauszufinden, ob es sich um Übungswehen handelte. Da ich normalerweise nie bade, weihten wir nun meine Mama ein – sie hätte sich wahrscheinlich sonst arg gewundert. Sie verzog sich ab dann in ihr Zimmer und ließ uns komplett in Ruhe – das war super.

Im Bad angekommen, ließ ich das Badewasser ein und musste dann plötzlich nochmals dringend auf Toilette. Mein Darm entleerte sich komplett. Da wusste ich, dass es jetzt los geht. Ab dann schaltete ich den Entspannungsmodus ein und versuchte in die Tiefenentspannung zu kommen, wie ich es im Vorfeld geübt hatte. Auch wendete ich die tiefe Bauchatmung an. Ich nutzte die Zeit in der Wanne bei Kerzenschein und Entspannungsmusik, um die unterschiedlichen Techniken und mentalen Zustände einmal durchzuspielen. Das Wasser tat richtig gut und ich freute mich innerlich so, dass die Geburt nun losgegangen ist.

Irgendwann wurde ich immer müder und hatte das Bedürfnis ins Bett zu gehen, um Kraft für eine lange Nacht zu sammeln. Ich zog mir ein frisches T-Shirt und eine Hose an – das Shirt war das gleiche wie bei Jonathans Geburt – und legte mich ins Bett mit meinen Kopfhörern und Entspannungsmusik. Gedanklich war ich weiterhin in meiner vorher geübten Trance, d.h entweder in meinem inneren Kraftraum, habe mit Valentin gesprochen (ich freue mich auf dich, jede Welle bringt mich näher, bald halte ich dich in meinen Händen), meine Affirmationen nachgesprochen oder mit meiner Gebärmutter gesprochen und ihr gesagt wie toll sie das macht. In diesem Zustand hätte ich noch einige Stunden aushalten können. Mein Mann kuschelte sich an mich und ich war zu Tränen gerührt und glücklich, weil ich mich so freute, dass die Geburt – der Moment auf den ich so lange hingearbeitet und gefiebert – endlich da und genauso war, wie ich es mir gewünscht hatte.

Valentin bewegte sich zu diesem Zeitpunkt noch sehr stark in mir und als mein Mann fragte, ob wir Michelle jetzt anrufen sollen, ich fragte zurück: „Wie oft kommen denn die Wehen?“ und er antwortete: „alle zwei bis drei Minuten.“ Er rief Michelle dann um 23:21 Uhr an. Ich bat ihn zwischenzeitlich auch meine Yogamatte (mein im Vorfeld bestimmter transportabler Geburtsort) und den Gymnastikball zu holen. Blieb bei den ankommenden Wellen aber weiterhin schön bei mir und war immer noch liegend im Bett.

Michelle kam um 23:49 Uhr und ich begrüßte sie freudig, verschwand aber bald wieder in meine innere Welt. Sie begrüßte mich mit den Worten „Dein Baby kommt bald“. Das Licht blieb die ganze Zeit ganz sanft, es war fast komplett dunkel. Anhand des Zitterns meiner Beine merkte ich die körperliche Anstrengung. Mental fühlte ich mich stark und sicher. Die Herztöne von Valentin wurden noch zwei Mal abgehört und waren stets in bester Ordnung.

Kurz nach Michelle’s Ankunft wechselte ich dann vom Bett auf die Matte in den Vierfüßler. Ich kam dabei kurz aus meiner Trance raus und verkündete dies Christopher und Michelle. Michelle bat mir daraufhin eine Massage an und Christopher setzte den vorab bestimmten Anker (rückblickend lustigerweise den Anker, den ich vorab am wenigsten präferiert hatte) und war wieder bei mir.

Ich merkte wie Valentin den Geburtskanal entlang rutschte. Was für ein Gefühl. Ich wusste jetzt dauert es nicht mehr lange und war gespannt, was es als nächstes zu spüren gab und wie es weiterging. Mittlerweile schwitzte ich ohne Ende und musste nochmals auf Toilette. Meine einzige Sorge „schaffe ich Pipi während zwei Wellen“ … ich schaffte es. Beim Gang zur Toilette sah ich aus den Augenwinkeln, wo es sich Michelle auf dem Boden gemütlich gemacht hatte. Mehr nahm ich nicht war und ging zurück auf die Matte, wo die nächste Welle anrollte. Es brauchte zwar mittlerweile meine ganze mentale und körperliche Kraft diese zu veratmen, aber ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl dem Ganzen nicht gewachsen zu sein.

Irgendwann fragte Michelle, ob ich nicht meine Hose ausziehen wolle. Ich sagte ja und kurz danach musste ich mitschieben und in einem riesen Schwall entleerte sich die Fruchtblase. Jetzt ging es schnell. Für mich gefühlt zwei Wellen später war Valentin da. Der Dehnungsschmerzen als das Köpfchen durchkam ist unbeschreiblich und ich wusste beim nächsten Mal schiebe ich so lange mit bis der Körper komplett raus ist. Ich war so froh, dass ich in der Pause meine Kopf auf Christopher legen konnte, der in der kompletten letzten Phase vor mir auf dem Gymnastikball saß (die Position, die mir im Geburtsvorbereitungskurs meisten zugesagt hat). Ich war überrascht, wie lange die Pause zwischen den letzten beiden Wellen dauerte.

Und dann lag er zwischen meinen Beinen (0:39 Uhr). Was für ein Gefühl. Ich zog mein Shirt aus und nahm Valentin auf den Arm. Unbeschreiblich.

Christopher war den Tränen nahe und wir waren unglaublich glücklich. Die Zeit blieb für einen kurzen Moment stehen.

Danach ging es ins Bett und wir durften kuscheln. Es kamen dann noch Carolina, die zweite Hebamme, die es leider nicht mehr rechtzeitig geschafft hatten. Und auch meine Mama kam um uns zu gratulieren. Die ganze Atmosphäre war total entspannt und ruhig.

Recht bald danach entschloss ich mich die Plazenta aktiv mit Michelle auf dem Gebärhocker zu gebären. Das klappte schnell und ohne Schmerzen – hinterließ nur eine ordentliche Blutspur am neuen Vorhang, der uns bis heute an dieses Erlebnis erinnert.

Valentin hatte ich die ganze Zeit bei mir. Bei der anschließenden Untersuchung stellte sich heraus, dass ich bis auf eine kleine Schürfwunde keine Verletzung hatte. Auch Valentin ging es prächtig. Er wurde gewogen, gemessen und untersucht – ohne Auffälligkeiten.

Carolina klärte uns dann noch über die Punkte auf, auf die wir bis zu ihrem Besuch am nächsten Tag achten mussten. Valentin hat sich entschlossen direkt einzuschlafen, so dass wir den Stillstart bis zum Morgen verschoben haben.

Gegen vier Uhr ließen wir die drei Hebammen schweren Herzens ziehen. Hatten wir uns so wohl mit ihnen gefühlt. Christopher, Valentin und ich lagen dann ungläubig im Bett – nicht sicher, was da eigentlich in den letzten Stunden passiert ist.

Im September 2019,

Henriette.