Liebe Wunder-Frau, dieser Geburtsbericht ist schon etwas älter, ist aber aktueller denn je! Viel Spaß beim Lesen!

Ich war bei Jensons Geburt (12/2009) 30 Jahre alt, mein Mann Marc wurde zwei Wochen später 38. Ich habe unseren ersten Sohn James (6/2007) mit meiner Beleghebamme Bettina in einem Krankenhaus in einer Badewanne geboren. Damals wussten wir schon, dass wir auf jeden Fall ein zweites Kind wollten und ich wollte wieder eine Wassergeburt.

Die Schwangerschaft verlief problemlos, außer dass meine Frauenärztin mich wegen meines Übergewichts als Risikoschwangere einstufte. Da sie weder davon begeistert war, dass ich nur für die Ultraschalluntersuchungen zu ihr komme, geschweige denn eine Hausgeburt befürwortete, und mich auch noch zum Diabetologen und zur Pränataldiagnostik schickte, suchte ich mir noch während der Schwangerschaft eine andere Frauenärztin. Ansonsten begab ich mich vertrauensvoll in die Hände von Bettina.

Zu der Zeit kam mir auch die Idee, für die Geburt gar nicht erst ins Krankenhaus zu fahren. Die einzige Sorge von Marc war, wer die Plazenta entsorgt und die Badewanne sauber macht. Bettina konnte ihn beruhigen, dass sie das übernimmt. Ich finde es sehr schade, dass die meisten Frauen sich eine Hausgeburt so wenig zutrauen, dass sie diese Möglichkeit nicht einmal so weit in Betracht ziehen, sich darüber genauer zu informieren. Sie wollen die absolute Sicherheit für sich und ihr Kind und wollen auch nichts davon hören, dass es diese genauso wenig im Krankenhaus gibt. In anderen Fällen weiß ich, dass der Mann Angst hat, die Verantwortung und eventuell Entscheidungen für die werdende Mutter und das Kind zu übernehmen und dies lieber im Krankenhaus abgibt.

Für mich kam allerdings eine Hausgeburt auch nur mit Bettina in Betracht. Es liegt sehr viel an dem Vertrauensverhältnis zur Hebamme. Ich habe mit Bettina schon in der ersten Schwangerschaft meine Ängste geklärt und sie hat mich immer bestärkt, dass ich meinem Körper vertrauen soll und dass ich das schaffen werde. Das Schönste ist, dass ich das Vertrauen in meinen Körper und meine Fähigkeiten auch als Mutter bis heute behalten habe. Auch in schwierigeren Phasen mit meinen Jungs (z.B. James’ Autismusstörung) habe ich immer auf mein Bauchgefühl gehört. Dies hat sich im Nachhinein meist als richtig erwiesen.

Meine Familie und Freunde hielten mich für mutig, aber keiner hat wirklich Bedenken geäußert. Ich fühle mich auch heute noch nicht als besonders mutig, es fühlt sich für mich eher selbstverständlich an. Als ich meiner Mutter sagte, dass ich mit mehr Kritik gerechnet hätte, meinte sie, dass ich mich offenbar gut darüber informiert hätte und wohl kaum unnötige Risiken eingehen würde. Dass anscheinend alle mir vertrauten, die richtige Entscheidung zu treffen, machte mich stolz.

Da James nach einem Blasensprung 12 Tage früher auf die Welt kam und der Entbindungstermin sich aufgrund unregelmäßiger Periode nicht eindeutig war, war ich der Überzeugung, dass sich Jenson auch früher als erwartet aufmachen würde. Ich war auch schon mehr als bereit, da er mit Vorliebe in meine Organe boxte und ich außerdem von Wassereinlagerungen über Muskelkrämpfe jedes Schwangerschaftswehwehchen mitgenommen hatte.

Als dann der Entbindungstermin verstrich, war ich etwas frustriert. Außerdem machte ich mir Sorgen, bei Übertragung zu Einleitungsversuchen ins Krankenhaus geschickt zu werden. Bettina baute mich auf, in dem sie mir verschiedene Methoden aufzählte, die sie im Repertoire hätte, falls ich 10 Tage über dem Termin kommen würde.

Nachdem ich mich schon darauf eingestellt hatte, dass Bettina wohl mit einer Eipollösung nachhelfen müsste, wachte ich eine Woche nach dem errechneten Entbindungstermin nachts um 2:30 Uhr mit leichten Wehen auf. Vor lauter Aufregung und Vorfreude konnte ich nicht mehr schlafen und bin im Wohnzimmer auf und ab gegangen. Die Wehenabstände verkürzten sich auf 5 Minuten, so dass ich um 4:15 Uhr Bettina anrief und anschließend Marc weckte. Keine halbe Stunde später war Bettina da und die Wehen blieben erstmal konstant in Abstand und Intensität.

Aber die Wartezeit auf mein Baby sollte noch nicht zu Ende sein. Trotz Beckenkreisen und Rumlaufen wurden die Wehen immer schwächer und die Abstände immer größer. Um 11:00 Uhr vereinbarten Bettina und ich, dass sie vorerst wieder fährt und wir am Abend wieder telefonieren, falls sich bis dahin nicht schon etwas getan hat. Als sie dann weg war, war ich ziemlich deprimiert und ein paar Tränen liefen doch vor Enttäuschung. Ich wollte doch endlich mein Baby bekommen. Ich ging erstmal duschen und der Rest des Tages verlief ruhig.

Um 18:00 Uhr rief ich Bettina an, um ihr zu sagen, dass sich nichts weiter getan hätte. Sie meinte, ich solle abwarten, es würde bestimmt in der Nacht weiter gehen. Nachdem am Abend James zu Bett gebracht war, spielte ich zur Ablenkung auf dem Computer und merkte ab 19:30 Uhr wieder Wehen. Dieses Mal wartete ich erstmal ein paar Stunden ab. Nach zwei heftigen Wehen, die ich schon so stark veratmen musste, dass Marc aus dem Nebenzimmer kam, um nach mir zu sehen, bat ich um 22:45 Uhr Bettina wieder zu kommen. Kurz nach 23:00 Uhr war sie wieder da und ich im Nachhinein meine ich, dass dann bei einer kräftigen Wehe auch die Fruchtblase geplatzt sein muss. Weil der Kopf aber schon gut im Becken saß, ging kaum Wasser ab. Ich bat Bettina sofort, Wasser in unsere Badewanne zu lassen. Wir gingen nach oben ins Bad, während Marc alles andere regelte. Er stellte Kerzen auf, legte meine Wasserflasche bereit, drehte die Heizung höher und legte Handtücher zum Anwärmen in den Backofen.

Eine ganze Weile veratmete ich Wehe um Wehe umgeben von warmen Wasser. Irgendwann verließ Marc das Bad um etwas zu Trinken. Trotz dem mein Zeitgefühl verschwamm, kam mir seine Abwesenheit doch recht lange vor. Später erzählte er mir, dass er ins Schlafzimmer zu seiner Wasserflasche gegangen war und sich dachte, sich nur 5 Minuten hinzulegen. Der wenige Schlaf in der Nacht vorher und die übermäßige Wärme im Bad hatten ihn so müde gemacht, dass er natürlich eingeschlafen war und eine halbe Stunde später erschrocken vom Bett aufsprang. Da er in der Zeit nichts für mich hätte tun können und Bettina immer an meiner Seite war, fand ich es amüsant.

Kurz nach 2:00 Uhr kam die erste Presswehe, bei der ich dann doch lauter wurde. Kaum war ich verstummt, hörten wir James aus seinem Zimmer weinen. Da meine Schwester Urlaub hatte, hätten wir sie Tag und Nacht anrufen können und sie wäre sofort herbeigeeilt, um sich um James zu kümmern. Aber das hätte sie nun zeitlich auf keinen Fall geschafft. Marc ging zu James, während ich Bettina ansah und jammerte „Doch nicht jetzt.“ Bettina bot mir ihre Hand zum Quetschen mit den Worten „Ich weiß, dass ist nicht dasselbe, aber bis Marc wieder da ist…“ Zum Glück hatte James wohl nur schlecht geträumt und war nach Einschalten der Spieluhr wieder eingeschlafen. So konnte Marc bei der übernächsten Wehe wieder meine Hand nehmen und den Endspurt miterleben. Um 2:24 Uhr kam Jenson auf die Welt und lag sofort eingehüllt von warmen Handtüchern auf meiner Brust. Er schrie gleich los und ich versuchte ihn mit Singen und Wiegen zu beruhigen. Ich weiß noch, dass ich gar nicht mehr von seinem kleinen Gesicht wegsehen konnte. Erst später haben wir nachgeschaut, ob das auf dem Ultraschallbild eindeutig zu erkennende Geschlecht auch zutraf. 10 Minuten später durchschnitt Marc die Nabelschnur und wir ließen das Wasser gerade rechtzeitig ab, als die Plazenta abging.

Dann haben wir es uns erstmal in unserem Bett gemütlich gemacht. Bettina untersuchte mich ein letztes Mal und konnte zum Glück keine Verletzungen feststellen. Ich habe Jenson dann angelegt, was – im Gegensatz zu James damals – sofort funktionierte. Um 3:45 Uhr machte Bettina die U1 und fuhr mit dem Hinweis nach Hause, dass sie am nächsten Nachmittag wieder nachschauen würde.

Trotz dem ich ja die Nacht vorher schon wenig geschlafen hatte, war ich zwar erschöpft und müde, aber wirklich schlafen konnte ich nicht. Am nächsten Morgen holten wir auch James zu uns ins Bett, der erst skeptisch vom Fußende aus seinen neuen Bruder betrachtete, aber dann doch vorsichtig inspizierte.

Am Nachmittag schaute Bettina wieder nach uns. Das Stillen klappte gut, das Kindspech war auch schon in der Windel und ansonsten schlief Jenson. Dafür kam dann in der Nacht der absolute Tiefpunkt. Jenson weinte die ganze Nacht und ich versuchte ihn mit ständigem Anlegen zu beruhigen, was leider nur mäßig gelang. Ich war nach zwei schlaflosen Nächten total übermüdet und offenbar setzte dann auch noch der Babyblues bei mir ein. Heulend ging ich mit meinem schreienden Baby im Schlafzimmer auf und ab. Mein Mann drückte mich an sich und ich weiß noch, wie ich ihn anjammerte: „Ich dachte, wenn die Geburt vorbei ist, habe ich das Schlimmste überstanden und nun das.“ Mein Mann grinste mich an und meinte: „Nein, Schatz, das Schlimmste sind die 18 Jahre danach.“ Er brachte mich tatsächlich kurz zum Lächeln. Ich bin dann mit Bettina am Telefon alle eventuellen Ursachen von Jensons Geschrei durchgegangen, aber wir haben keine wirkliche Erklärung gefunden. Im Nachhinein glauben wir, dass es eine Anpassungsstörung war, dass Jenson trotz der längeren „Bauchzeit“ noch nicht wirklich bereit war und sich überrumpelt fühlte von all den neuen Empfindungen. Aber es war die einzige durchgeschriene Nacht. Da Marc erstmal drei Wochen Urlaub hatte, genossen wir nun zu viert die Kennenlernzeit.