[Positiver Geburtsbericht] Lisa´s zweite Hausgeburt im Geburtspool, ekstatisch, magisch.

Hausgeburt in Deutschland ist eine Seltenheit (obwohl in manchen nordischen Nachbarsländern – eine Selbstverständlichkeit) und eine Hausgeburt, bei der das ältere Kind dabei ist und gestillt wird – eine Ausnahme. Einige Frauen in meinen Kursen fragen mich, ob sie ihre älteren Kinder bei der Geburt dabei haben sollen. Dazu gibt es keine „Ja/Nein“ – Antwort, es liegt ganz daran, was Du Dir als Gebärende wünschst. Bei Deiner Entscheidung, ob Du Deine Kinder dabei haben willst, musst Du berücksichtigen, dass Geburt für Kinder nicht vom kollektiver falscher Einstellung Geburt= Schmerz=Schrei=Leiden beeinflusst ist, sondern mit etwas natürlichem, magischem und selbstverständlichem verbunden wird. Vor allem für Mädchen kann eine schöne Hausgeburt der Mutter zu einem wichtigen Anker für ihre eigene Geburt später werden.

Ich möchte mich bei der heutigen Referentin Lisa ganz besonders für ihre Offenheit in Bezug auf Erotik während der Geburt bedanken! Es ist nicht einfach über eigene Sexualität in der Öffentlicheit zu erzählen, doch bei Deiner bevorstehenden Geburt, liebe Leserin, können die hier genannten Tipps mit Brustwarzen- und Klitorisstimulation zum richtigen Durchbruch verhelfen! Viel Spaß beim Lesen!   

Geburtsbericht Mika Jonathan (alias Bubbles).

Nach einer nicht ganz unbelasteten Schwangerschaft (zweimal stationär, einmal wegen Viruserkrankung, einmal wegen neurologischer Störungen ausgelöst durch die Schwangerschaft und immer wieder kehrenden Panikattacken) durften wir eine wunderschöne Haus/Wassergeburt zusammen mit unserer Hebamme G. erleben.

Morgens um 7:30 Uhr

wird meine Tochter wach, wie immer ziehe ich mit ihr um auf das Sofa und wir stillen. Wir sind mittlerweile bei ET+3 angelangt aber während sie saugt spüre ich nur ganz leichte Kontraktionen. Um 8: 30 Uhr wollen wir uns fertigmachen. Ich ziehe das Rolle im Wickelzimmer hoch und ich merke wie es plötzlich nass meine Beine herabrinnt und sich eine Pfütze um meine Füße bildet. Keine Frage das ist Fruchtwasser, Bubbles möchte wohl ausziehen.
Da ich ja nicht weiß wann die Wehen einsetzen, dieses Mal ist es ja offensichtlich kein hoher Blasensprung wie ich ihn bei meiner Tochter hatte, gehe ich erst mal Haare waschen. Bevor wir frühstücken rufe ich meine Hebamme an. Diese rät den ET+3 Termin bei meinem Frauenarzt wenn möglich wahr zu nehmen. Also warten wir ab und da keine Wehen einsetzen und es mir gut geht fahren wir um 11:15 Uhr los (ca. 45 Min. Fahrt). Wir werden nett empfangen und es spricht sich schnell rumm dass eine Frau mit Blasensprung in der Praxis ist, alle sind ganz aufgeregt und jeder spricht mich an, vor allem der Doc. freut sich! Es wird ca. 20 min CTG geschrieben, Herztöne sind super, der Wehenschreiber bleibt still. Der Doc. tastet nur von außen und verzichtet auf US und vaginale Untersuchung – besser so! Er schätzt Bubbles auf 3000-4000g mmmh wohl doch kein kleines Kind, wir sind gespannt!

Er ist die Ruhe in Person und meint in 2 (!!!) Tagen wäre das Kind dann ja spätestens da, er spricht weder von Risiken noch von Einleitung, ab nach Hause und entspannen!

Den restlichen Tag verbringe ich mit Aufräumen, Wehen anregen (Heublumendampfbad, spazieren gehen, abends Sex…) und Ausruhen…viel Ausruhen. Tochterkind bleibt nachts bei Papa, ich gehe um 22:00 Uhr noch einmal rüber zu meinen Eltern, quatschen. Auf dem Sofa sitzend merke ich die erste sanfte Welle. Ich geh rüber lege mich ins Bett und höre Hörbuch, döse vor mich hin, versuche zu schlafen. Immer wenn ich mich drehe kommt eine Welle, nicht schmerzhaft, nicht regelmäßig. Ich glaube fest, dass sie nur kommen WEIL ich mich bewege und denke die bringen nichts. Ich nehme mir vor möglichst lange liegen zu bleiben.

Um 1:37 Uhr

benutze ich das erste Mal die Wehenapp und gucke wie die Intervalle sind und wie lange die Wellen dauern. Die erste aufgezeichnete Welle dauert 1:14 min und die Pause ist 3:07 min lang. Die Wellen kommen alle 3-6 Minuten und sind unterschiedlich lang, ca. 1 min ich kann sie ganz ruhig und locker veratmen, ohne große Konzentration, total easy.
Ich mache mir Musik an, James Blunt, Rea Garvey und Adelle. Ich singe laut mit und während ich tanze läuft das Wasser in die Badewanne. Ich bin unglaublich gut drauf, das ist alles so machbar und schön, ich bin so angstfrei und ganz bei mir und meinem Kind. Ich bewege mein Becken, veratme und vertanze die Wellen, zünde mir ein Meer aus Kerzen an und steige dann in die Wanne um mein Geburtsbad zu genießen. Ich drehe mich in der Wanne, in jeder Position veratme ich eine Welle. Über dem Bauch liegt ein Handtuch und ich genieße. Nur ich und mein Baby, das Letzte Mal nur du und ich ganz allein, ich nehme gedanklich Abschied von dieser Schwangerschaft.
Bad und Geburtsraum sind voll Kerzenschein und Geburtsduft, es ist ganz magisch, wie in einer Feenhöhle! Ich fühle mich unglaublich geborgen und bin froh allein zu sein.

Um kurz vor 4:00 Uhr messe ich noch einmal die Abstände der Wellen.

Sie kommen im Durchschnitt alle 2 Minuten und dauern immer noch ca. 1 Min – die App sagt ich soll in die Klinik fahren, ich muss grinsen, für kein Geld der Welt verlasse ich meine Feenhöhle. Hier ist alles was ich brauche, es ist perfekt!

Um 4:00 Uhr

wecke ich meinen Mann dann doch, ich möchte das TENS Gerät benutzen. Ich veratme die Wellen mittlerweile auf „Mmmmmh“, stütze mich auf Sofa. Mein Mann klebt die Elektroden auf. Unsere Tochter wird wach und ist verunsichert, sie ist tot müde, aber ich möchte meinen Mann jetzt hier haben. Also kommt, nachdem wir gekuschelt haben, Oma sie holen.
Wir überlegen Wasser in den Pool zu lassen, verwerfen den Gedanken wieder und legen uns ins Bett und kuscheln. Ich nutze bei jeder Welle das TENS, veratme leise und döse, die Pausen werden länger. Das Ganze spart definitiv Energie, ich hoffe, dass die Wehen trotzdem noch muttermundwirksam sind. Um 7:00 Uhr werde ich dann aber langsam nervös. Wir messen nochmal. Im Liegen sind die Abstände groß und die Wellen kurz (7-8 Min, Welle unter einer Min) Aufrecht werden die Abstände kürzer, aber die Wehen bleiben kurz. Ich mag das TENS nicht mehr, ich veratme jetzt im Vierfüßler am Sofa oder am Gymnastikball. Mein Mann massiert mich mit dem Geburtsöl am Kreuzbein oder „schüttelt Äpfel“. Während der Welle brauche ich aber Ruhe.
Ich esse eine Banane zum Frühstück und mache ein Heublumendampfbad. Dann rufe ich meine Hebamme G. an (8:15 Uhr) Sie sagt die Wellen hören sich nicht effektiv genug an, ich müsse, je nach Energielevel, entscheiden ob ich versuche noch etwas Pause zu machen oder ob ich gucke ob die Schwerkraft etwas bringt, also bewegen. Ich entscheide mich klar für Letzteres! Meine Mutter kommt mit Tochterkind. Sie bleibt ein bisschen, wirkt aber eher unsicher, möchte aber unbedingt zu mir, nicht zu Papa, ich arbeite aber mit meinen Wellen.

Ich erinnere mich an die Geschichte einer Freundin die unter der Geburt gestillt hatte…na wenn Töchterchen schon mal da ist…Ich lege sie zwischen zwei Wellen an und sofort nach ein paar kräftigen Trinkzügen rollt eine Welle an die definitiv etwas kann!

Tochterkind muss schnell weg von der Brust und ich muss anfangen zu tönen! Ich entscheide mich das Tragetuch im Schlafzimmer zu testen. Mein Mann zündet auch hier Kerzen an und macht das Rolle runter, ich brauche eine Höhle. Wir hören Gospelmusik, ich singe mit und mir fließen die Tränen über die Wangen, dabei lächele ich und fühle mich wie eine Göttin, so stark, absolut unbesiegbar! Mit jeder Welle hänge ich mich tief kniend ins Tuch, dazwischen stehe ich und lasse das Becken kreisen.

Um 9:15 Uhr

bitte ich meinen Mann G. anzurufen. Ich spüre wirklich schon Druck nach unten und habe manchmal das Gefühl mitschieben zu wollen. So langsam verschwinde ich in meiner Wellenwelt, jetzt bin ich ganz in unserer Geburt. Die Arbeit mit dem Tuch ist super gut, dass wir das noch aufgehängt haben.
G. hat sich direkt auf den Weg gemacht und ist um ca. 9:30 Uhr hier. Ich mag nicht, dass es jetzt wuselig wird, aber ich bin zum Glück schon recht weit weg mit meinem Kopf, es stört etwas, aber es behindert mich nicht wirklich. G. fängt an um mich herum „aufzubauen“ ich begreife, dass sie die Position und das Setting gut findet und denkt ich werde das Kind hier bekommen…wuahhhh…Ich würde aber gerne in den Pool, mache aber erst einmal weiter, es fühlt sich ja gut an und es läuft auch gut. G. hört nach der Welle immer mal wieder nach den Herztönen, alles gut! Obwohl G. sagt ich höre mich gut an, kurz vor Übergangsphase habe ich plötzlich Sorge nicht so weit zu sein. Sorge, dass die lange Nacht umsonst war, ich möchte untersucht werden.

Sie tastet also nach dem Muttermund 7-8 cm…das finde ich gut, das finde ich sehr gut, denn bis jetzt ist es ein Spaziergang, ich liebe diese Wellen, ich liebe diese Geburt!

G. meint ich muss mich nur noch fallen lassen, öffnen und atmen und den Druck rausnehmen. Ich stelle mir eine sich öffnende Rosenblüte vor und dort wo die Mitte ist, tritt das Köpfchen hervor. Bei jeder Welle rufe ich mir das Bild in den Geist und töne ein immer sanfter werdendes „Ahhhhh…“ ganz ohne zu schieben. Ich möchte in den Pool, bin aber etwas unsicher ob die Wehen dort schwächer werden (wie bei der Geburt meiner Tochter) G. fühlt in der Welle nach dem Muttermund. Die Welle zum Tasten lässt auf sich warten…schon interessant wie der Körper reagiert…sie fühlt, dass der Saum langsam verschwindet und gibt ihr okay für den Pool. Ich brauche Entspannung! Mein Mann füllt in Windeseile den Pool, während ich meine Geburtsaffirmation weiter nutze um den Muttermund komplett zu öffnen.

Zeit und Raum verschwimmen, es geht mir gut, wirklich gut, ich bejahe die Wellen und genieße wie sie mich arbeiten lassen.

Dann ist der Pool fertig und ich schaffe es grade zwischen zwei Wellen hinein zu springen!
Das Wasser ist super, ich fühle mich total wohl. Ich gehe erst einmal in den Vierfüßler. Irgendwann bekomme ich Krämpfe in den Beinen, also tiefe Hocke mit der Hilfe meines Mannes und zum Schluss halbe Rückenlage. Die Wehenpausen sind super, ich werde ganz ruhig, kurz auch mal unsicher und ängstlich, aber das veratme ich auch und freue mich unbändig jetzt richtig arbeiten und schieben zu können. Ich nehme nur an was mein Körper mir gibt, einfach mitgehen, einfach treiben lassen, manchmal ist das schwer. Aber ich schaffe es das power pressing zu umgehen! Allerdings bin ich wieder sehr laut, wie eine Löwin brülle ich animalisch meine Kraft heraus und fühle mich mutig und stark! Kehlige „Ahhhhhs…“ begleiten jede Welle, ich spüre starken Druck nach hinten unten, ja das ist der Kopf. Ich massiere meine Klitoris in jeder Wehenpause, ich habe darüber gelesen und nie geglaubt, dass ich in der Stimmung oder überhaupt in der Lage dazu sein würde, doch es funktioniert fabelhaft.

Die Empfindungen sind ekstatisch, fast orgastisch, nicht mit Sex zu vergleichen, eigentlich besser!

Mein Mann küsst mich immer wieder, tief und innig, sagt mir wie sehr er mich liebt.

Intime Momente,

meine Hebamme lässt uns allein und geht in den Nebenraum. In der nächsten Welle kommt der Kopf, ich halte ihn in meiner Hand – Wahnsinn! Kurz ist Pause, Bubbles hat seine Hand am Kopf und es braucht 2 Wellen bis er komplett geboren ist. In dieser Phase war ich froh, dass G. wieder in den Raum kam. Das Baby dreht sich in meinen Händen und gleitet in meine Hand. Ich betrachte es kurz unter Wasser und hebe es dann auf meine Brust. Bubbles liegt auf mir, sein Kopf ist etwas bläulich, er quäkt, ich reibe sanft seinen Rücken, es geht ihm gut, er räkelt sich, maunzt und ist wieder ruhig. G. legt ein Handtuch über ihn. Ich habe meine Hand unter seinem Po und kann so dieses Mal das Geschlecht verkünden (bei unser Tochter sah es mein Mann zuerst) ich taste ganz klar Hoden – Wir haben einen Sohn!!!

Wir sind total verzückt – da ist es unser Baby!

Jetzt ging es doch so schnell, G. war keine 2 Stunden da.

Um 11:25 Uhr

schwimmt Bubbles in meine Arme und direkt in unsere Herzen! Die Nabelschnur ist ganz schnell

auspulsiert und ich fühle schon nach ein paar Minuten die erste Nachwehe. Wir beraten uns und ich entscheide im Pool zu bleiben,

die Plazenta in Ruhe kommen kann und wir dann unsere Tochter dazu holen. Die Plazenta kommt, G. hilft ein bisschen mit, es geht aber leicht. Wir legen sie in eine Schüssel und sie schwimmt neben uns. Bubbles und ich kuscheln und ich lege ihn das erste Mal an. Oma bringt Tochterkind und sie ist ganz begeistert, möchte am liebsten in den Pool und ganz nah beim Baby sein. Sie kann ihn streicheln, befasst fasziniert die Nabelschnur und bestaunt die Plazenta. Es ist ein total schöner Moment! Opa kommt auch dazu.
Wir ziehen ins Schlafzimmer um und ich lege ihn nochmal an, er nuckelt fleißig. Es werden Bilder von ihm mit der noch verbundenen Plazenta gemacht, leider ist ihm etwas kalt. Mann und Tochter schneiden zusammen die Nabelschnur durch – ein toller Moment! G. untersucht die Plazenta, alles vollständig, ich bin erleichtert! Es folgt die U1. Unsere Tochter guckt genau zu und G. erklärt ihr alles, Tochterkind ist fasziniert, alles findet auf dem Bett statt, ich finde es schön dabei sein zu können. Töchterchen zählt Finger und Zehen und hört das Herz ab. Bubbles zeigt Übertragungszeichen, er hat
ganz schrumpelige Haut und pellt sich schon, er war wirklich fertig zum Ausziehen.

Zum Schluss guckt G. noch nach mir, wir haben etwas Sorge ob ich nicht doch gerissen bin, grade wegen der Hand am Kopf. Aber es ist nichts passiert – NICHTS! Ich bin unglaublich glücklich! Die letzte Anspannung fällt ab.

Wir genießen das Wochenbett in vollen Zügen, meine Mutter bekocht uns und kümmert sich mit um die Große, es ist eine wunderschöne, magische Zeit für uns vier!

 

Wenn Du auch über Dein positives Geburtserlebnis berichten willst, schreib mir an alina@happy-birth-day.de

Es geht bei einer positiven Geburt nicht darum, dass du keine Schmerzen oder Interventionen erlebt hattest oder zu laut warst. Hauptsache, du hast deine Geburt als ein phantastisches Erlebnis in Erinnerung und möchtest anderen davon erzählen. Das Ziel ist, werdenden Müttern da draußen Mut zu machen, sich auf ein positives Erlebnis einzustimmen, Angst zu verlieren und zu erkennen dass Geburt kein Wettbewerb ist, sondern von jeder individuell erlebt wird.

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