Auf dem Weg zum Mamasein

Kurz vor dem errechneten Termin steigt die Spannung auf die Geburt.

Du bist im Internet unterwegs, um nach Geburtserfahrungen anderer Frauen zu suchen. Denn wie es bei Dir losgeht und genau verlaufen wird, ist und bleibt der Natur überlassen. D.h. keiner kann Dir sagen auf was Du Dich genau für Deine Geburt vorbereiten musst.

Du machst es genau richtig, wenn Du nach Geburtserfahrungen anderer Frauen suchst. Manchmal ist es ein kurzer Nebensatz aus einem Erfahrungsbericht, der genau für Dich bestimmt ist und Dich bei Deiner Geburt weiterbringt. Achte nur darauf, dass Du positive Geburtsberichte liest! Denn heute erschaffst Du die Bedingungen, die Dich bei der Geburt erwarten.

Natürlich wird es Dich interessieren, wie meine Geburten im Detail verliefen. Gerne teile ich meine Erfahrungen mit Dir.

Geburt unseres 1. Kindes im Mai 2012

„Unser Kind kam nach zwei Kaiserschnitt-Drohungen spontan zur Welt, jedoch konnte ich die Plazenta nicht mehr selbst gebären.“

Blasensprung nachts um 2 Uhr.

Ob frau das im Schlafen spürt? Oh girl, yes! Es sind ca. 200 ml warmer Flüssigkeit, die Dich mit Druck verlassen und untenrum nass machen. Das wirst Du mit der Periode nicht vergleichen können, egal wie intensiv sie bei Dir ist. Ist also eine ganz besondere Erfahrung! Von anderen Frauen weiß ich, dass das Platzen der Fruchtblase sogar unter der Dusche und in der Badewanne nicht unbemerkt bleibt. Nach dem Blasensprung muss die werdende Mutter nach heutigen Vorschriften gleich ins Krankenhaus, weil es die Gefahr besteht, dass Keime durch die Öffnung in der Plazenta zum Baby gelangen können. Das Baby muss dann innerhalb von 24h Stunden auf der Welt sein, wegen eben diesen Keimen. Diese Vorschrift ist aber schon veraltet und wird zum Ende 2016 erneuert.

Ich war in der SSW 37+ 0 und die Kliniktasche war noch nicht gepackt. Also, schnell packen, Taxi rufen und in die Klinik fahren. Um 4 Uhr morgens war ich da. Der Tastbefund ergab 1 cm Öffnung des Muttermunds und sehr schwache Wehentätigkeit: leichtes Ziehen in der unteren Bauchgegend wie bei der Periode. Ich durfte spazieren gehen, auf dem Zimmer bleiben, also abwarten… bis um 15 Uhr eine nette Schwester endlich nach mir schaute. Da ich nicht mehr herumhängen, von anderen Menschen im Zimmer abgelenkt und endlich an die Arbeit wollte, habe ich gebeten, mich in die Badewanne legen zu dürfen. Mein Mann war inzwischen von der Arbeit zurück und half mir in die Badewanne zu steigen.

Es folgten zwei Stunden ungestörten Aufenthalts in der romantischen Atmosphäre mit Einsatz von Techniken zur leichten Zervixöffnung, wie von Ina May Gaskin gelehrt:

  • Visualisierung der sich öffnenden Blüte
  • Gezielte Entspannung des Unterkiefers
  • Brustwarzenstimulation
  • Leises und lautes Sprechen von Affirmationen
  • Lachen über die Witze meines Mannes

 Die Hebamme schaute nach uns und bat mich auf den Tisch um mich zu untersuchen. „6cm Zervixöffnung!!“,- die Überraschung war der Hebamme ins Gesicht geschrieben. Sie kontrollierte noch die Herztöne mit CTG und hing mich anschließend an den Wehentropf. Ich weiß bis heute nicht warum das gemacht wurde und ich war leider noch sehr uninformiert, um dies verhindern zu wissen.

Wenn jede gesunde Frau natürliche Wellen wegatmen kann, so kann keine Frau künstlich hervorgerufene Wellen lange verkraften, es sei denn sie ist eine superwoman.

Ich bin keine, so bekam ich in den Wehentropf Schmerzmittel gespritzt und nach zwei Stunden nochmal. Es folgten Hebammen-Schichtwechsel, Erbrechen, Wechsel der Position von aufrecht in die horizontale Seitenlage und umgekehrt (und Stuhlgang während des Austritts des Babys). Der letzte 1cm wurde händisch „verstrichen“, wobei ich wie am Spieß geschrieen habe. Und dann durfte ich mitschieben, natürlich halbsitzend auf der Liege mit angebeugten Beinen – so wie es für die Hebamme am bequemsten ist. Unser Baby kam um 23:28 Uhr auf die Welt, so wohlduftend und wunderschön! Es hat nicht gleich geschrien, war müde, bekam nach zwei Tagen Gelbsucht und durfte weitere fünf Tage mit mir in der Kinderklinik bleiben.

Unser Kind kam nach insgesamt 10 Stunden und zwei Kaiserschnitt-Drohungen spontan zur Welt, jedoch konnte ich die Plazenta nicht mehr selbst gebären. Diese wurde eine Stunde nach der Geburt des Kindes unter einer Vollnarkose händisch herausgenommen.

Geburt unseres 2. Kindes im Juni 2015

„Einige Frauen vom KH-Personal waren im Zimmer anwesend und schauten mit Neugierde einer Frau unter der Geburt zu, die keinen Ton vor sich gab.“
Jede Schwangerschaft, jede Geburt und jedes Kind sind einzigartig.

Meine Jungs waren schon im Bauch sehr unterschiedlich. Der eine aktiv und ungeduldig, wollte schon drei Wochen vor dem Termin die Welt erblicken, der andere als Baby und im Bauch friedlich und ruhig.

Zwei Tage vor dem ET kamen die ersten Wellen. Wir haben abgewartet bis sie regelmäßig alle fünf Minuten kamen und fuhren unser Erstgeborenes zu den Verwandten. Dann in eine große Klinik in Frankfurt, wo ich logischerweise an den CTG „gehängt“ wurde. Ich befand mich in einem Raum, in dem ich regelrecht Angst bekam. Der Raum war voll mit Schränken deren Schubladenbeschriftungen richtig Mut machen: „Geburtszange“, „Skalpel“, „Katheter“. Ich fühlte mich klein und arm. Die Wehentätigkeit wurde schwächer und ich durfte wieder nach Hause. Am nächsten Abend wiederholte sich der gesamte Prozess wieder: alle fünf Minuten Wellen, den Großen weggebracht, Klinik, Wehenstillstand; bis ich endlich verstanden habe, dass ich mich in dieser Klinik – trotz ihres sehr guten Rufes – nicht wohl fühle.

So wurde ich am nächsten Morgen von Geburtswellen geweckt und wusste, dass ich mein Kind in einer Klinik in Darmstadt gebäre, auch wenn ich da nicht vorgesprochen habe.

Ich blieb noch eine Stunde im Bett sitzen und machte meine Atemübungen. Ich spürte die Welle kommen, begegnete ihr mit dem Gedanken: „Juhuu! Gleich bin ich noch einen Schritt näher zu der ersten Begegnung mit meinem Baby“ und atmete bis zehn zählend ein und aus.

Irgendwann war die Intention da: „Ich muss mich bewegen.“ Ich lief in unserer stillen Wohnung umher, erledigte Kleinigkeiten im Haushalt, aß eine Hand voll Nüsse und Obst und nahm während der Welle die Position ein, bei der ich mich – im Stehen oder im Sitzen – mit dem Rücken anlehnen konnte. Es waren ca. 2 Stunden nach dem Aufwachen vergangen und ich hatte das Gefühl, dass ich jetzt mal den Zeitabstand zwischen den Wellen messen sollte, denn der Gebärmutterhals öffnet sich bei einer nachfolgender Geburt schneller als bei der ersten.

5 Minuten. Wir müssen langsam los! Am Abend davor kam meine Mutter und wir mussten uns um den Großen keine Sorgen machen. Als wir im Krankenhaus eintrafen, spürte ich die Wellen deutlich. Kalte, ungewohnte Umgebung, unbekannte Gesichter – all das lenkte mich von meinem Atemrhytmus ab. Beim Hochfahren mit dem Lift dachte ich an mein gemütliches Schlafzimmer und mir kam zum ersten Mal der Gedanke: „Eigentlich sollen Kinder zu Hause geboren werden!“ (Heute kenne ich viele Frauen, die sanfte Hausgeburten erlebten).

Doch nach der Untersuchung und Aufnahme im Kreißsaal konnte ich wieder zu mir und meinem Kind „zurückkehren“. Mein Mann machte unsere CD an und ich entspannte mich. Ich bat die Hebamme, Rollläden herunterzufahren und mir Kissen zu besorgen, damit ich auf dem Boden hocken kann. Sie diente uns freundlich und begegnete respektvoll meinen Wünschen. 

Einige Frauen vom KH-Personal waren im Zimmer anwesend und schauten mit Neugierde einer Frau unter der Geburt zu, die keinen Ton vor sich gab…

„Ich wollte mit meinem Kind am selben Tag wieder nach Hause, wartete aber noch die U1 am nächsten Tag ab.“

Während ich auf meinen Knien stand, angelehnt an meinen Mann, massierte er mir abwechselnd den Bauch und das Kreuzbein. Es war immer noch eine harte physische Arbeit, die Wellen zu veratmen, im HIER und JETZT zu bleiben und gelernte Entspannungstechniken einzusetzen. Jedoch war diese Arbeit mit keinerlei Schmerz verbunden! 

Ich merkte nicht, wie die Zeit verging, es sollten aber ca. 2 Stunden verstrichen sein, als die Hebamme mich auf die Liege zum Untersuchen bat. „Untersuchen Sie mich doch hier!“ – habe ich beinahe schon ausgesprochen, aber das Gefühl, dass ich hier zu Gast bin und sie – die Chefin ist, ließ mich nicht los.

So bin ich ihrem Wunsch gefolgt und sie konnte eine vollständige Öffnung feststellen. Bei der Untersuchung platzte die Fruchtblase, weil sie schon ziemlich prall war. Ich durfte gleich mitschieben und habe die Position nicht mehr gewechselt. Als ich nach warmen Wickeln während der Dammöffnung bat, wurden sie mir auch schnell besorgt. Nach ca. 30 Minuten sahen wir unseren Jungen! Er hat sofort geschrien, war eine halbe Stunde später schon am Nuckeln und bekam keine Gelbsucht. Die Plazenta kam nach wenigen Minuten leicht heraus. Als ich gemerkt habe, dass die Hebamme mir die Nabelschnur abklemmen wollte, bat ich sie abzuwarten. „Wir haben hier keine Zeit für sowas!“,- rief sie genervt. Ich wollte mit meinem Kind am selben Tag wieder nach Hause, wartete aber noch die U1 am nächsten Tag ab.

Wenn Du bereits eigene Erfahrung einer natürlichen Klinikgeburt gemacht hast und anderen Frauen davon erzählen willst, schreib deine Geschichte unten in den Kommentaren nieder. Was war positiv, was würdest Du heute anders machen?
Was sind Deiner Meinung nach die drei wichtigsten Dinge, die eine Frau für eine natürliche Klinikgeburt tun kann?

Alina Todorova

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